Details

Christen und Muslime in Syrien und Irak in den Anfängen der byzantinischen Zeit

 Allzu oft wird vergessen, dass es Byzanz war, welches als erster christlicher Kulturraum Kontakt zum muslimischen Glauben hatte. Als östlichster Vorposten des mittelalterlichen Europas war das oströmische, sogenannte Byzantinische Reich durch die Araber an seinen südlichen Grenzen besonders gefordert. So durchlief es zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert n.Chr. nicht nur eine Reihe interner Veränderungen ökonomischer, politischer und sozialer Art, sondern auch extern wurde es in seiner Souveränität und Existenz durch die muslimischen Truppen bedroht, welche sich zunehmend in vormalig römischen Ländern ausbreiteten.

Das plötzliche Aufkommen ,des Islam‘ und die offensichtliche Verbindung zwischen den arabischen Kämpfern und der neuen Glaubensauslegung forderte die Byzantiner somit auch theologisch heraus: Im Angesicht schwindender militärischer und politischer Macht, sahen sie sich genötigt, die Überlegenheit des eigenen, christlichen Glaubens zu beweisen, betrachteten sie sich doch selbst, der jüdischen Tradition des Alten Testaments folgend und diese weiterentwickelnd, als ,das auserwählte Volk Gottes‘.

Als Teil der Reaktion auf die muslimischen Eroberungen ist die vermehrte schriftstellerische Auseinandersetzung mit dem Islam in apologetisch-polemischen Werken bei byzantinischen Autoren ab dem 7./ 8. Jahrhundert zu beobachten.

Die historisch am meisten rezipierte Islampolemik ist die ,Widerlegung des Koran‘ des Niketas von Byzanz (9. Jh.). Darin setzt sich der Byzantiner fundiert, das heißt: textnah, mit dem heiligen Buch der Muslime, dem Koran, auseinander. Dieses hatte er in Form einer griechischen Übersetzung vorliegen. Biographische Details über Niketas sind rar und können nur aus seinen Werken rekonstruiert werden und dies, obwohl er größten Einfluss auf das byzantinische sowie lateinische Islambild bis ins späte Mittelalter hinein ausübte und eine lange Rezeption erfuhr.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Facetten der Auseinandersetzung der ostkirchlichen Christenheit seit frühester Zeit des Aufkommens des Islam. Es werden die von den Byzantinern verwendeten Argumentationen und Stereotypen gegen den Islam vorgestellt und in den jeweiligen Kontext gesetzt. Eine solide Kenntnis der historischen Quellen des frühen interreligiösen Dialoges erscheint dabei grundlegend auch für aktuelle Debatten und Diskurse über das religiös-kulturelle Zusammenleben in unserer heutigen Gesellschaft.