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Die Reparationsfrage ist nach wie vor ein brisantes und umstrittenes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland, das bis auf den heutigen Tag Entschädigungen für die Opfer der Massaker und die Ausplünderung seiner Volkswirtschaft einfordert. Einer umfassenden, alle ehemals besetzten Länder und alle Opfergruppen einschließenden Kriegsentschädigung hat sich die deutsche Machtelite bis heute verweigert.

Jetzt hat Karl Heinz Roth, zusammen mit Hartmut Rübner eine Studie vorgelegt, die auf der Grundlage teils bekannten und teils völlig neu erschlossenen Aktenmaterials nicht nur, was zu erwarten war, der Behauptung von den griechischen Kriegsschulden ein für allemal den Boden entzieht. In dem voluminösen Band wird, wie noch in keiner deutschsprachigen Untersuchung zuvor, eine penible Aufrechnung der deutschen Kriegsschulden an Griechenland vorgenommen.

Hauptposten des Reparationsanspruchs sind die deutsche Zwangsanleihe bei der griechischen Zentralbank, das der jüdischen Gemeinde Thessaloniki geraubte Gold sowie die Entschädigung der über 100 griechischen Märtyrerdörfer, in denen die Wehrmacht und die SS Massaker unter der Zivilbevölkerung anrichteten. Die Autoren plädieren dafür, diese Forderungen im Rahmen der OSZU zu verhandeln und wenigstens teilweise zu erfüllen.