20 Jahre “Exantas” (2005-2025)
Grußwort des Vorsitzenden von “Exantas”, Vassilis Papadopoulos”, bei der Jubiläumsfeier
2004 einige Griechen und Deutsche in Berlin erkannten den Bedarf eines neuen griechisch-deutschen Kulturvereins. Er sollte den engen traditionellen Rahmen der existierenden griechischen Vereine überwinden und die griechische Kultur und Geschichte sowie das Leben im heutigen Griechenland besser im deutschsprachigen Raum repräsentieren. Die deutsch-griechischen Beziehungen, die viele Höhe- und Tiefpunkte erlebt hatten, sollten auch im Fokus seiner Arbeit stehen.
Schließlich gründeten sie am 20. Februar 2005 den Verein Exantas Berlin. Die Initiative ging vom inzwischen verstorbenen Architekten Kostas Kouvelis aus, der bis 2018 dem Verein vorstand. Der Verein wollte seine Ziele durch Kulturveranstaltungen und Diskussionen und durch die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift erreichen.
Tatsächlich kam noch im Jahr der Vereinsgründung die erste Nummer der Zeitschrift „εξάντας“ heraus. Seitdem erscheint sie ohne Unterbrechung zweimal im Jahr und wurde mit jeder Ausgabe besser. Für eine auf freiwilliger und unbezahlter Arbeit beruhende Zeitschrift ist dies eine beachtlicher Erfolg. Immer mehr Autoren und Autorinnen konnten gewonnen und der Leserkreis auf ganz Deutschland und sogar Griechenland erweitert werden. Waren die Artikel in den ersten 28 Ausgaben nur teilweise zweisprachig, ist die Zeitschrift seit 2018 durchgehend zweisprachig. Das bedeutet zwar viel mehr Arbeit für die Redaktion, hat aber die Reichweite der Zeitschrift im deutschsprachigen Raum entscheidend erhöht.
Neben der Zeitschrift hat sich der Verein mit mittlerweile über 40 Kulturveranstaltungen und Diskussionsabenden im Berliner kulturellen Leben etabliert. Insbesondere die Reihe „Musik und Lyrik“, in der bekannte griechische Dichter in einem musikalischen Rahmen präsentiert wurden, fand das Interesse des Berliner Publikums. Mit Unterstützung unseres Vereins wurde 2009 auch der Griechisch-Deutsche Chor „Polyphonia Berlin e.V.“ gegründet. Erwähnenswert ist noch, dass wir mit Gedenktafeln an zwei Häusern daran erinnerten, dass hier Nikos Skalkotas und Nikos Kazantzakis eine Zeit lang gewohnt hatten.
Unsere „Kamingespräche“ (so genannt, weil sie im Kaminraum des Literaturhauses stattfanden) zu aktuellen politischen, historischen und gesellschaftlichen Themen ermöglichten lebhaften Austausch und Begegnungen unseres stets gemischten Publikums.
In 2025 hat Exantas seine Arbeit erweitert und nimmt nun auch die Aufgaben der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Berlin wahr, die nach 100jährigem Bestehen ihre Auflösung beschlossen hat. Als deren Nachfolger ist unser Verein der „Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften“ in Deutschland beigetreten.
Mit einem gewissen Stolz blicke ich auf das Geleistete zurück. Und ich möchte auch hier allen Freunden und Freundinnen von Herzen danken, die sich all die Jahre aktiv im Verein eingebracht haben. Αllen voran den Menschen, die in Vorstand und Redaktion mit viel Kraft und Engagement in ihrer Freizeit mitgearbeitet haben. Dank gebührt auch den zahlreichen Autoren und Autorinnen für ihre Artikel, den Abonnenten der Zeitschrift und nicht zuletzt den Spendern und Sponsoren. Der Erfolg des Vereins ist unser aller Erfolg!
Berlin, dem 18.5.2025
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Vom Verein und der zweisprachigen Zeitschrift zur „Deutsch-Griechischen Gesellschaft“ in Berlin
von Giorgos Pappas
Entstanden aus dem Bedürfnis nach einer stärkeren Präsenz der griechischen Gemeinde in Berlin, entwickelte sich der Verein “Exantas” zu einer zweisprachigen Zeitschrift und einer Institution für vielfältige Interventionen und Aktionen auf der griechisch-deutschen Bühne. Der Verein und seine Zeitschrift „exantas“ feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und schlagen als „Deutsch-Griechischen Gesellschaft“ in Berlin ein neues Kapitel auf.
Das Projekt, das auf Initiative des inzwischen verstorbenen Architekten Kostas Kouvelis ins Leben gerufen wurde, war ehrgeizig. Die Gründungsmitglieder wollten den engen traditionellen Rahmen der bestehenden griechischen Vereine und Verbände überwinden, ein umfassenderes Bild des modernen Griechenlands in den deutschsprachigen Raum vermitteln und zur Verbesserung der griechisch-deutschen Beziehungen beitragen.
Der Anfang war, wie bei solchen gemeinsamen Initiativen üblich, „etwas chaotisch, mit vielen Ideen auf dem Tisch”, sagte der heutige Präsident von „Exantas”, Vasilis Papadopoulos, bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Vereins. „Die Idee war, zweisprachige Vorträge und kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, Jugendaustausche zu ermöglichen und unser eigenes Kulturcafé mit Bibliothek als Treffpunkt in Berlin zu eröffnen – wir haben sogar nach Räumlichkeiten gesucht!“, erinnert sich Papadopoulos. Diese Ziele sind unverändert geblieben und spiegeln die damalige Zeit wider.
Die Herausgabe einer zweisprachigen Zeitschrift hatte oberste Priorität, mit dem Ziel, ein Forum für Diskussionen über aktuelle politische Themen, die fragilen griechisch-deutschen Beziehungen, aber auch kulturelle Beiträge von Künstlern aus Deutschland und Griechenland zu schaffen.
Der große Erfolg der ersten Ausgabe und die positiven Reaktionen ermutigten, die nächste Ausgabe zu wagen. Eine langfristige Planung war jedoch nicht möglich, da die Finanzierung nicht gesichert war.
An der Finanzierungsfrage hat sich bis heute nicht viel geändert. „Von Ausgabe zu Ausgabe fragen wir uns jedes Mal, wo wir das Geld hernehmen sollen. Niemand von uns hätte sich träumen lassen, dass wir 20 Jahre lang ohne Unterbrechung zweimal im Jahr insgesamt 40 Ausgaben veröffentlichen würden – durchschnittlich zwei Ausgaben pro Jahr“, sagt Papadopoulos. Seit der 29. Ausgabe ist das Magazin vollständig zweisprachig, was seine Reichweite vergrößert hat.
Die Zeitschrift „exantas“ ist eine der Aktivitäten des Vereins, aber nicht die einzige. Sie wird durch eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen, die Gründung des griechisch-deutschen Chors „Polyphonia Berlin e.V.“, Filmvorführungen, Theateraufführungen, die Veranstaltungsreihe „Musik und Poesie“ mit bekannten griechischen Dichtern in einem musikalischen Rahmen Die Gedenktafeln an den Berliner Häusern, in denen Nikos Skalkotas und Nikos Kazantzakis lebten, waren ebenfalls eine Initiative von „exanada“.
Ein besonderer Aspekt sind die politischen Interventionen mit den Vorträgen und Diskussionen „Kamingespräche“ im Kaminzimmer des Literaturhauses in Berlin, die sich durch einen lebhaften Austausch zwischen den Gästen und dem Publikum auszeichnen. In den 32 bisherigen Veranstaltungen wurden schwierige Themen wie die deutsche Besatzung Griechenlands und die Kriegsreparationen nach dem Zweiten Weltkrieg, die griechische Krise des letzten Jahrzehnts, die griechisch-türkischen Beziehungen und das Wahlrecht für im Ausland lebende Griechen behandelt.
Mit seinem 20-jährigen Bestehen erweitert „Exantas“ ab 2025 seine Aktivitäten, übernimmt die Aufgaben der „Deutsch-Griechischen Gesellschaft“ in Berlin und wird Mitglied der „Vereinigung Deutsch-Griechischer Gesellschaften“ (DGG) in Deutschland.
Diese Aufwertung ist eine Belohnung für die bisherige Arbeit des „Exantas“.
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Giorgos Pappas ist Deutschlandkorrespondent des griechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT
Übersetzt aus dem Griechischen – Erstveröffentlichung des Artikels bei ertnews.gr, Juli 2025
